vonSchwerin:Albert Julius Graf von Zieten-Schwerin (* 1835)

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Albert Julius Graf von Zieten-Schwerin (1835-1922)

Albert Julius Graf von Zieten-Schwerin (* 26. Juni 1835 auf Gut Rehberg, † 15. Mai 1922 in Wustrau) heiratete am 26. Juni 1861 in Mitau Constance Baronesse von Derschau (* 16. Januar 1838 in Autzenbach, Kreis Tuckum, † 3. Juli 1914 in Wustrau).

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Aus dem Dritten Nachtrag zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin, Unter Mitarbeit von Eberhard Graf von Schwerin-Friedelhausen im Auftrage des von Schwerinschen Familienverbandes herausgegeben von Hermann von Schwerin, Hauptmann a. D. Görlitz 1928:

geboren am 26. Juni 1835 in Rehberg, Kreis Anklam, besuchte Albert Julius das Pädagogium in Putbus, trat im März 1854 in das 7. Kürassier-Regiment zu Halberstadt ein, wurde am 1. Dezember 1854 Fähnrich, am 8. Dezember 1855 Seconde-Lieutenant, trat nach dem Tode seines älteren Bruders Henning am 14. Oktober 1858 zum 7. schweren Landwehr-Reiter-Regiment über und nahm am 10. Juli 1863 den Abschied aus diesem Verhältnis.

Von seinem Bruder Henning erbte er 1858 das Fideikommiß Wustrau[1] und wurde am 14. September 1859 unter dem Namen von Zieten-Schwerin in den preußischen Grafenstand erhoben[2]. Nach dem Tod seines Vaters fielen ihm auch die Güter Janow, Lantzkron, Rehberg mit Anteilen an Neuendorf b und Bartow sowie die Güter Hohen-Brünzow und Strehlow zu[3]. Durch Urkunden vom 9. März 1869 stiftete er zwei Fideikommisse: 1. aus den Janower Gütern das von Schwerin-Janow'sche Familienfideikommiß[4] und 2. aus Hohen-Brünzow und Strehlow das von Schwerin-Hohen-Brünzow'sche Familienfideikommiß[5].

Nachdem er seit dem Tode seines Vaters die Verwaltung der Spantekowschen Begüterung für die Mitbesitzer[6] geführt hatte, erwarb er 1874 vom Grafen Victor auf Schwerinsburg den seit 1856 für die Schwerinsburger Linie ausgeschiedenen Anteil, nämlich Dennin mit Stern und Japenzin, für die Gräflich von Zieten-Schwerinsche Fideikommißstiftung und 1875 vom Grafen Friedrich von Schwerin-Bohrau die Güter Spantekow mit der Forst, Rebelow und Drewelow als Allod. Am 11. Juli 1870 kaufte er von der Familie von Meyenn die Güter Wodarg und Werder, die er im Herbst 1881 verkaufte unter Zurückbehaltung von Wald- und Wiesenparzellen in Größe von 810 Morgen, die zum Janow'schen Fideikommiß gelegt wurden. Von seinen Gütern übergab er seinem Sohn Louis das Fideikommiß Hohen-Brünzow im Jahre 1888 zur selbständigen Verwaltung und am 4. Dezember 1918 als Besitz, seinem Sohn Wilhelm des Fideikommiß Janow im Jahre 1890 zur selbständigen Verwaltung und am 4. Dezember 1918 als Besitz, seinem Sohn Hans Bone im Jahre 1895 Drewelow, 1901 Spantekow und 1910 Rebelow zur selbständigen Verwaltung und am 18. August 1918 als Besitz. Die Gräflich von Zieten-Schwerinsche Fideikommißstiftung[7] trat er durch notarielle Verhandlung vom 18. März 1921 seinem ältesten Sohn Friedrich ab.

Graf Albert wurde am 12. August 1865 Ehrenritter, am 25. Juni 1867 Rechtsritter des Johanniterordens. In den Feldzügen 1866 und 1870-1871 betätigte er sich als Johanniter bei der freiwilligen Krankenpflege in Feindesland. 1885 wurde er Ehrenkommendator mit Sitz und Stimme im Kapitel und Werkmeister des Ordens. Als solcher hatte er für die Krankenhäuser und die Ausbildung der Schwestern zu sorgen. Außerdem gehörte er viele Jahre dem Konvent der Brandenburgischen Provinzialgenossenschaft des Ordens an. Am 1. Oktober 1908 trat er wegen zunehmenden Alters vom Werkmeisteramte zurück.

Auf Präsentation des Grafenverbandes des Herzogtums Pommern wurde er am 14. Oktober 1874 in das Preußische Herrenhaus berufen, dem er bis zu der durch die Revolution 1918 erfolgten Auflösung angehörte und in dem er jahrzehntelang Vorsitzender der Finanzkommission war. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 14.Juni 1884 erfolgte seine Ernennung zum Mitglied des Staatsrats. In ihm war er 1884 unter dem Vorsitz des Kronprinzen und 1895 in Gegenwart des Königs tätig.

Eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete Graf Albert für die evangelische Kirche. Er war seit 1878 Mitglied der Pommerschen Provinzialsynode, seit 1885 der Preußischen Generalsynode, seit 1891 des Generalsynodalvorstandes und seit 1897 Vorsitzender des Generalsynodalvorstandes. Von 1894 bis 1915 hat er als Präsident 7 Tagungen der Generalsynode geleitet. Diese Ämter legte er 1915, im Alter von 80 Jahren, nieder.

Graf Albert erhielt am 30. April 1882 den Roten Adler-Orden IV. Klasse, am 17.Januar 1886 den Roten Adler-Orden III. Klasse mit der Schleife, am 17. Juni 1889 den Kgl. Kronen-Orden II. Klasse und anläßlich der Neubearbeitung der Agende der Preußischen Landeskirche am 21. März 1895 den Roten Adler-Orden II. Klasse mit Eichenlaub.

Mit den Hofpredigern Kögel und Stoecker und dem Pastor Pank von der Philippus-Apostelkirche in Berlin war Graf Albert 1876 Mitbegründer der Landeskirchlichen Vereinigung der positiven Union. 1877 gehörte er unter D. Stoecker zu den Mitbegründern des Vereins für die Berliner Stadtmission. Als Mitglied des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins war er von 1889 bis 1907 Vorsitzender des engeren Ausschusses und tätig bei der Erbauung der Gnadenkirche und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche[8] in Berlin. Durch Patent vom 25. Januar 1888 wurde er zum Stiftshauptmann des Klosters Lindow ernannt. Er war auch Vorsitzender des Verbandes der Kirchenpatrone der Kurmark und seit 1883 Vorsitzender des Zentralvorstandes deutscher Arbeiterkolonien zur Bekämpfung der Wanderbettelei. Vom Johanniterorden wurde Graf Albert 1890 zum Mitglied des Kuratoriums der Evangelischen Jerusalemstiftung berufen und war als solches, gleichzeitig als stellvertretender Vorsitzender dieses Kuratoriunis, bis zu seinem Tode tätig. Im Interesse dieser Stiftung reiste er im Frühjahr 1892 über Ägypten nach Palästina und [w:Jerusalem|Jerusalem]][9], um einen Platz zur Erbauung eines Pfarrhauses und eines Schulhauses auszuwählen. Gleich nach seiner Rückkehr übernahm er auch als Nachfolger des erkrankten Oberhofpredigers D. Kögel den Vorsitz des 1852 gegründeten Jerusalemsvereins, der sich die Missionsarbeit an den Arabern und die kirchliche Versorgung der deutschen Bewohner Palästinas zur Aufgabe gemacht hat. Er widmete diesem Verein einen großen Teil seiner unermüdlichen Arbeitskraft und behielt den Vorsitz bis zu seinem Tode bei[10].

Im Jahre 1898 reiste er abermals nach Palästina und nahm am 30. Oktober an der Einweihung des vom Jerusalemsverein erbauten armenischen Waisenhauses in Bethlehem und in Gegenwart des Deutschen Kaiserpaares, am 31. Oktober an der Einweihung der Erlöserkirche auf dem Muristan in Jerusalem teil[11]. Am 8. Oktober 1898 wurde ihm der Stern zum Kgl. Kronen-Orden II. Klasse verliehen. Am 18. Januar 1901 erhielt er den Stern zum Roten Adler-Orden II. Klasse, am 18. Februar 1903 anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des Jerusalemsvereins[12] den Kgl. Kronen-Orden I. Klasse, am 29. April 1904 den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz, am 22. Januar 1906 die Rote Kreuz Medaille III. Klasse und am 18. Januar 1911 den Roten Adler-Orden I. Klasse. Die logische Fakultät der Universität Greifswald ernannte ihn anläßlich der Zweihundertjahrfeier des Königsreichs Preußen am 18. Januar 1901 ehrenhalber zum Doktor der Theologie[13]. Bei der Wiedereröffnung der Klosterkirche in Neuruppin wurde Graf Albert am 9. Juni 1908 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

Das Geschlecht von Schwerin ist dem Grafen Albert zu unauslöschlichem Dank verpflichtet für die treue Arbeit, die er jahrzehntelang ihm gewidmet hat. Die Verwaltung des Spantekowschen Gesamtbesitzes durch ihn ist schon erwähnt. Als sein Vater 1860 die Familienstiftung gründete, wurde Graf Albert Mitglied des Familienrats. 1866 erfolgte seine Wahl in das Kuratorium (Vorstand), 1896 die zum Vorsitzenden des Familienrats. Sechsmal fand der Familientag bei ihm statt und zwar 1881, 1884 und 1889 in Janow und 1885, 1898 und 1910 in Wustrau. Bei der Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Familienstiftung 1910 wurden seine Verdienste um die Stiftung in den 50 Jahren seiner Mitgliedschaft besonders hervorgehoben. Der Familienrat machte ihm eine Vase zum Geschenk, die das Schwerinsche und das Zieten-Schwerinsche Wappen und Abbildungen seiner Güter trug. Im Jahre 1914 regte er, gemeinsam mit dem Grafen Leonhard die Gründung eines Familienverbandes an, die infolge des Kriegsausbruches zunächst nicht zustande kam. Als beim Famillentag in Berlin am 15. September 1920 Graf Albert den Vorsitz des Familienrates niederlegte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Stiftung und des am gleichen Tage gegründeten .Familienverbandes ernannt. Seinen Namen trägt das vom Familienverbande errichtete Albert-Julius-Archiv. Das Andenken an den Grafen von Zieten-Schwerin, "der mit seinem gütigen und großen Herzen alle in unserer großen Familie in gleicher Liebe umfaßt und niemals müde ward, seine ganze Kraft und Zeit in ihren Dienst zu stellen, uns allen vorangehend in teilnehmender Fürsorge, in Güte und Treue wie ein wahrer pater familias" [14] darf nicht erlöschen. Graf Albert starb, in weiten Kreisen geliebt und verehrt[15], in seinem Schloss zu Wustrau am 15. Mai 1922, kurz vor Vollendung seines 87. Lebensjahres, und wurde am 18. Mai 1922 auf dem Kirchhof in Wustrau an der Seite seiner Gemahlin, mit der er in 53jähriger Ehe Freud und Leid geteilt hatte, beerdigt.


Bronzeplakette zur Goldenen Hochzeit 1911

Graf Albert hatte sich vermählt In Mitau, Kurland, am 29. Juni 1861 mit Constance Caroline Catharina Freiin von Derschau, geboren in Autzenbach, Kurland, am 16. Januar 1838, Tochter des Freiherrn Ludwig Theodor Ernst von Derschau auf Autzehbach und Seemen und der Jeanette Caroline Charlotte geb. Freiin von Medem a. d. H. Rumbenhof. Gräfin Constance war seit dem 27. Januar 1891 Dame des Preußischen Luisen-Ordens, 2. Abteilung mit der Jahreszahl 1865, dessen 1. Klasse sie am 27. Januar 1904 erhielt. Am 16. Oktober 1899 wurde ihr die Rote Kreuz-Medaille II. Klasse verliehen.

Graf und Gräfin v. Zieten-Schwerin feierten am 26. Juni 1911 im Kreise ihrer Kinder und Enkel und zahlreicher Verwandter und Freunde die Goldene Hochzeit. Gräfin Constance starb zu Wustrau am 3. Juli 1914.

Eltern

  • Wilhelm Ludwig von Schwerin (* 17. Juni 1801 in Hohenbrünzow, † 27. Oktober 1865 in Janow)
  • Caroline Albertine Luise von Schwerin geb. von Zieten (* 22.4.1806, † 24.2.1853 in Janow)

Geschwister

  1. Anna Laura Marianne Caroline Marie von Schwerin (* 8.9.1825 in Rehberg, † )
  2. Henning Carl Friedrich Moritz Balthasar von Schwerin (* 2.11.1827 in Rehberg, † 10.8.1858 in Eckerberg)
  3. Adolphine Henriette Wilhelmine von Schwerin (* 22.2.1830 in Rehberg, † 3.7.1869 in Schlagenthin)
  4. Laura Albertine von Schwerin (* 25.10.1832 in Rehberg, † 22.10.1847 in Janow)
  5. Amelie (Melly) Adelheid Eleonore von Schwerin (* 3.5.1837 in Rehberg, † )
  6. Caroline Luise von Schwerin (* 19.7.1839 in Janow, † 24.7.1840 in Janow)
  7. Friedrich Wilhelm Ulrich von Schwerin (* 23.7.1841 in Janow, † 5.3.1846 in Abassie bei Kairo)

Kinder

  1. Friedrich Wilhelm Ludwig von Schwerin (* 2.4.1862 in Wustrau, † 1925)
  2. Louis Henning Bogislav von Schwerin (* 7.11.1863 in Wustrau, † 1933)
  3. Wilhelm Hans Albert von Schwerin (* 17.6.1866 in Wustrau, † 1946)
  4. Hans Bone von Schwerin (* 5.10.1868 in Wustrau, † 1945)
  5. Albert Constantin von Schwerin (* 2.4.1870 in Wustrau, † 7.3.1956 in Tanzenhaid)
  6. Johanna (Anna) Caroline von Schwerin (* 1.3.1872 in Wustrau, † 1945)
  7. Hildegard (Hilda) von Schwerin (* 21.5.1880, † 6.8.1964)

Literatur

  • Dr. L. Gollmert, Wilhelm Grafen von Schwerin und Leonhard Grafen von Schwerin: Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Wilhelm Gronau's Buchdruckerei, Berlin 1878

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Urkundenbuch II Nr. 727g, 729a
  2. Urkundenbuch II Nr. 731a
  3. Die Absicht des Landschaftsrats Wilhelm v. S. war gewesen, dass von seinen Söhnen Henning Wustrau und Hohen-Brünzow, Friedrich die Janower Güter erhalten sollte. Albert sollte Offizier bleiben. Durch den frühen Tod seiner erbte Albert Wustrau und die väterlichen Güter.
  4. Urkundenbuch II Nr. 734
  5. Urkundenbuch II Nr. 735
  6. siehe Teil 1, S.61ff
  7. Carl Brinkmann, Wustrau, Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte eines brandenburgischen Ritterguts, Leipzig 1911. Duncker & Humblot.
  8. Auf Veranlassung Ihrer Majestät der Kaiserin wurde in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an dem Gestühl über der Kgl. Logo Namen und Wappen des Grafen v. Zieten-Schwerin angebracht.
  9. Graf v. Zieten-Schwerin, Vortrag über seine Reise nach dem Oriente, gehalten im Rittersaale des Schlosses zu Sonnenburg am 23. Juni 1892. Berlin 1892. Druck von Julius Sittenfeld.
  10. Über diese Tätigkeit siehe: Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande, Vereinsschrift des Jerusalemsvereins, Berlin, Nr. 3/1905, Nr. 2/1915, Nr. 1/2, 1922.
  11. Das Deutsche Kaiserpaar im Heiligen Lande im Herbst 1898, Berlin 1899, E. S. Mittler und Sohn
  12. Pflanz, Verlassen, nicht vergessen. Das heilige Land und die deutsch-evangelische Liebesarbeit. Zum fünfzigjährigen Jubelfest des Jerusalemvereins. Mit einem Vorwort von D. Gf. v. Zieten-Schwerin. Im Verlag des Jerusalemvereins zu Berlin. Druck Neuruppin 1903.
  13. Urkundenbuch II Nr.751
  14. Aus der Ansprache des Reg.-Präs. Friedrich Ernst v. S. beim Familientage Tamsel 27.8.1921
  15. Pastor Schwartzkopf-Wustrau, D. theol. Gf. v. Z.-S. In: Preußenbote; Kalender f. 1925, hrsg. v. R. George, Berlin. Der Reichsbote G. m. b .H.

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