Medicus:Georg Friedrich Adolph Medicus (*1876)

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FamilienWIKI - Familie Medicus


Fritz Medicus (1876-1956) Aufnahme von 1910. Bildquelle: (CC) BY-NC-ND, erteilt durch: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv


Georg Friedrich Adolph Medicus

* 23. April 1876, evangelisch, Stadtlauringen/Bayern/Unterfranken,

† 13. Januar 1956 Zürich, Dr.phil. und Professor für Philosophie und Pädagogik der ETH Zürich

anderer Namen: Fritz Medicus, Fritz Georg Adolph (Adolf) Medicus

Medicus studierte Theologie und Philosophie an den Universitäten Jena, Kiel, Straßburg und Halle. 1898 wurde er mit einer Arbeit über Kant promoviert.

Vater: Joseph Medicus (*1840 (41?) †1924), Apotheker in Stadtlauringen, aus alter Ärztefamilie

Mutter: Anna Rührig (nicht Röhrig)

Ehefrau: Heirat in Zürich mit Klara Frey (*1881 †1969)

Kinder:

  • Heinrich Adolf Medicus (*1918) Dr.sc.nat.Prof.d.Physik, Zürich, Troy, New York, ∞Hildegard Julie Schmelz (*1928)
  • Lotte Hedwig Medicus (*1915) Dr. phil. Zürich, Gesangspädagogin
  • Jörg Medicus (*1921 †1980) Zürich, Fernsehproduzent ∞Margot Philipp (*2.3.1940 Wien †2004 Zürich), Österr. Schauspielerin

Geschwister:

  • Auguste Medicus (†12.5.1952) ∞Gregor Aumüller, Amberg/Oberpfalz
  • Eduard Adolf Medicus 1915 in Belgien gefallen, Architekt

Ergänzungen und Korrekturen aufgrund neuster Forschungen 2011:

  • Kopie der Geburtsurkunde Locked.gif aus dem Standesamt Stadtlauringen. Aus dieser Urkunde gehen Eltern, Wohnort und andere Details hervor. Die Vornamen (Georg Friedrich Adolph) wurden am 14.05.1876 als Randvermerk beigeschrieben – zunächst wurde bei der Beurkundung noch kein Vorname vergeben. Durch die Geburtsurkunde konnte Fritz Medicus (wie er sich selbst als Autor seiner zahlreichen Bücher nannte) im Bensheimer Ast identifiziert werden. Als Folge wurden dadurch seine Geschwister und Kinder bekannt (lt. Stammbaum des Dr.Reinhard Medicus von 1995).

Ebenfalls wurde klar, daß der Mädchenname seiner Mutter "Rührig" und nicht, wie bisher angenommen "Röhrig" lautet. Die Sterbedaten der Eltern sind nicht bekannt, könnten aber in den Sterbeeinträgen der Stadt Stadtlauringen/Franken abgefragt werden. Ein Familiengrab ist nicht erhalten.

Anmerkung zu Fritz Medicus: 18.07.1935 Erwerb der Schweizer Staatsangehörigkeit und damit der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit.

Zusammenfassung seiner Vita:

"Die Reifeprüfung legte Medicus 1893 am Gymnasium Georgianum in Hildburghausen ab. Er studierte Theologie und Philosophie an den Universitäten Jena, Kiel, Stassburg und Halle. 1898 promovierte er an der Universität Jena mit einer Dissertation über Kants Ästhetik und die nichteuklidische Geometrie. 1901 habilitierte er sich an der Universität Halle mit der Schrift »Kants Philosophie der Geschichte«. In den folgend Jahren beschäftigte sich Medicus mit Fichtes Schriften (»J. G. Fichte – 13 Vorlesungen) und edierte eine achtbändige Werkausgabe des Philosophen. Von 1911 bis 1946 war er Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Hier behandelte Medicus vor allem Fragen der Ästhetik und Ethik. Unter dem Eindruck der politischen Entwicklung in Deutschland wandte sich Medicus, wie das Schweizer Lexikon schreibt, »in bewusster Wahrnehmung des schweizerischen Wirkungsfeldes« staats- und sozialphilosophischen Themen zu. Er veröffentlichte 1934 die deutschlandkritische Schrift »Macht und Gerechtigkeit«, 1946 appellierte er an die soziale Verantwortung der Schweiz. Sein vor Lehrern des Bezirks Baden in Rüschlikon 1937 gehaltene Vortrag »Menschenbildung in der Not der Zeit« blieb wegen seiner politischen Brisanz ungedruckt und wurde erstmals 1996 veröffentlicht."

Quelle: UAH PA 11234 Medicus, Rep. 21 Nr. 144; Schweizer Lexikon, Band 4, S. 501.

Leben

"Fritz Medicus wurde in Stadtlauringen (Bayern) als erstes von drei Kindern des dortigen Apothekers und dessen, aus wohlhabender Kaufmannsfamilie stammenden Gattin geboren. Nach Privatunterricht und Besuch des Gymnasiums studierte er ab 1895 Theologie und Philosophie an den Universitäten Jena, Kiel, Strassburg und Halle. Zurück in Jena promovierte er mit der Arbeit "Kants transzendentale Ästhetik und die nichteuklidische Geometrie". Mit der Schrift "Kants Philosophie der Geschichte" habilitierte er sich 1901 in Halle zum Privatdozenten. In den folgenden Jahren edierte er die Vorlesungen und eine massgebende achtbändige Werkausgabe von Johann Gottlieb Fichte. Später verlagerte sich sein Interesse auf Natur- und Religionsphilosophie bei Friedrich Schelling.

1911 bis 1946 lehrte er an der ETH Zürich Philosophie und Pädagogik. Hier las er vor allem zu Themen der Ästhetik und Ethik. Er vermittelte dabei die Überlegenheit einer "überzeitlichen Wahrheit" gegenüber blossen Verstandeswahrheiten, was auf den einen oder anderen seiner Professorenkollegen befremdlich wirkte. 1914 heiratete er und wurde im Laufe der Zeit Vater dreier Kinder. 1935 verzichtete er auf die deutsche Staatszugehörigkeit und erwarb das Schweizer Bürgerrecht. Unter dem Eindruck der politischen Entwicklung Europas verteidigte er Humanität und Demokratie in öffentlichen Vorträgen und Publikationen zu staats- und gesellschaftsphilosophischen Fragen. In der Nachkriegszeit rief er die Schweiz zu sozialer Verantwortung auf.

Handschrift Stenogramm von Medicus "Menschenbildung in der Not der Zeit", Vortrag über Pestalozzi und Rechtsextremismus gehalten am 11. Mai 1937 im Hotel Nidelbad,Rüschlikon ZH vor Lehrerinnen und Lehrern des Bezirkes Baden (Hs 1375:80) - Bildquelle:ETH-Bibliothek Zürich

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hildburghausen studierte M. an den Universitäten Jena, Kiel und Straßburg zuerst Theologie und wandte sich dann immer mehr der Philosophie, insbesondere derjenigen Kants zu. Zum Dr. phil. promovierte er 1898 in Jena. Mit einer Arbeit über Kants Geschichtsphilosophie habilitierte er sich 1901 in Halle, wo er 1901-11 als Privatdozent tätig war. In dieser Zeit war er auch Privatsekretär bei Hans Vaihinger. Einer von M.s Schülern war Paul Tillich. Ihm blieb er lebenslang in Freundschaft verbunden. M. widmete etliche Jahre seiner Tätigkeit dem Bemühen, die Philosophie von J. G. Fichte wieder zur Geltung zu bringen. Dies tat er zuerst in einer Vorlesungsreihe an der Univ. Halle, die 1905 auch als Buch erschien (J. G. Fichte, Dreizehn Vorlesungen). Er verfaßte eine bedeutende Biographie Fichtes (1914, 21922) und gab eine 6bändige Auswahl seiner Werke (1911 f.) heraus, die 50 Jahre lang die bestimmende Textgrundlage geblieben ist. Damit wurde M. zum ersten Anreger für eine erneute Beschäftigung mit der Philosophie Fichtes im 20. Jh. 1911 trat M. eine o. Professur für Philosophie und Pädagogik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich an, die er bis zur Emeritierung 1946 innehatte. 1935 erlangte er das Bürgerrecht der Stadt Zürich. In den Jahren bis 1945 hat er sich wiederholt für deutsche Emigranten eingesetzt. Als philosophischer Lehrer wandte sich M. später mehr Pestalozzi und Schelling zu. Sein Hauptinteresse galt ethischen, ästhetischen und religionsphilosophischen Themen. Ähnlich wie Fichte ausgehend von einer Gesamtschau der kantischen Kritiken, betont M. das Umfassende der philosophischen Erkenntnis, in welcher er dem begrenzten, kausalen Blick des bloßen Verstandeserkennens die Überlegenheit des „Unbedingt Wahren“ gegenüberstellt, das in der Forderung nach Menschlichkeit, in der „Vernunft, die uns hat“ (so Schellings von M. oft gebrauchtes Wort), erlebt und erkannt wird.

Quelle: Deutsche Bibliografie, Autor Erich Fuchs


Werk

1956 erwarb die ETH-Bibliothek die umfangreiche theologische und philosophische Privatbibliothek aus der Hinterlassenschaft von Medicus. Erkennbar an der zu Ehren des verstorbenen Gelehrten geschaffenen speziellen Signatur "Medicus 01 usw." sind die einzelnen Publikationen bestellbar im Wissensportal. Hier sind auch die veröffentlichten Werke von Medicus zu finden.

Bestand in der ETH-Bibliothek Zürich:

Medicus verfasste seine sämtlichen Vorlesungen, Vorträge, Artikel, Bücher, Notizen und Briefentwürfe in einer persönlichen Abwandlung der Kurzschrift von Wilhelm Stolze, die er einst am Gymnasium gelernt hatte. In den Archiven und Nachlässe harren diese Stenogramme der Entzifferung. Ergänzt werden sie durch einen grossen Korrespondenzbestand mit den Schreiben der zahlreichen Briefpartner von Medicus.

Die Verzeichnisse zu beiden Nachlassteilen können über Internet eingesehen werden: das Manuskriptverzeichnis sowie die Korrespondenz. Weitere Informationen zu Leben und Werk finden sich in drei dicken Dokumentationsmappen in der Biographica-Sammlung."

Gruppenbild von 1897

Fritz Medicus ganz rechts, (CC) BY-NC-ND - erteilt durch ETH-Bibliothek Zürich.

Quellen:


Bücher:

  • Fichtes Leben. Leipzig, 1914.
  • Grundfragen der Ästhetik: Vorträge und Abhandlungen. Jena, 1917.
  • Vom Wahren, Guten und Schönen : Kulturphilosophische Abhandlungen. Erlenbach-Zuerich: Eugen Rentsch Verlag, 1943
  • Das Mythologische in der Religion. Eine philosophische Untersuchung. Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch Verlag, [1944].
  • Menschlichkeit. Artemis-Verlag, 1951.
  • Vom Überzeitlichen in der Zeit. Artemis-Verlag, 1954.
  • Menschenbildung in der Not der Zeit. Zürich : Wiss.-Historische Sammlungen der ETH-Bibliothek, 1996
  • Macht und Gerechtigkeit. Aarau : Sauerländer, 1934
  • Pestalozzis Leben. Leipzig : Quelle & Meyer, 1927
  • Von der doppelten Basis der menschlichen Dinge. Zürich : Polygraph. Verl., 1943
  • Die Wissenschaftslehre vorgetragen im Jahre 1804Fichte, Johann Gottlieb. - Leipzig : F. Meiner, 1922
  • Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten. Fichte, Johann Gottlieb. - Leipzig : F. Meiner, 1922, 2., durch neu entdeckte Zusätze Fichtes erg. Aufl.
  • Versuch einer Kritik aller Offenbarung. Fichte, Johann Gottlieb. - Leipzig : F. Meiner, 1922
  • Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre. Fichte, Johann Gottlieb. - Leipzig : F. Meiner, 1922, 2. Aufl., [Neudr. d. Ausg.] Jena u. Leipzig bei Christian Ernst Gabler, 1798
  • System der Sittenlehre (1812). Fichte, Johann Gottlieb
  • Die Korrespondenz zwischen Fritz Medicus und Paul Tillich
  • einige Werke als Herausgeber (über Fichte) in vollständiger Ansicht zu lesen
  • [Mitarbeit: Die Philosophie des Mittelalters] De Gruyter, Erscheinungsdatum: 1926 ISBN: 978-3-11-162859-2
  • [Mitarbeit: Die Philosophie von der Renecaince bis Kant] De Gruyter, Erscheinungsdatum: 1923 ISBN: 978-3-11-144939-5
  • [Mitarbeit: Immanuel Kant] De Gruyter, um einen Nachtr. verm. Aufl. Erscheinungsdatum: 1923 ISBN: 978-3-11-153406-0

weitere Quellen:

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