vonSchwerin:Maximilian Heinrich Carl Anton Curt Graf von Schwerin (* 1804)

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FamilienWIKI - Familie von Schwerin


Portrait auf Stein gez. v. Adolph Burger
Die Randzeichnung entw. und auf Stein gez. v. Ludwig Burger


Maximilian Heinrich Carl Anton Curt Graf von Schwerin

Maximilian Heinrich Carl Anton Curt Graf von Schwerin (* 20. Dezember 1804 in Boldekow Kreis Anklam, † 3. Mai 1872 in Potsdam) heiratete am 6. August 1834 in Berlin Hildegard Maria Schleiermacher (* 12. Juli 1817 in Berlin, † 9. September 1889 auf Schmuggerow)


Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

als Preussischer Staatsmann[1] unter dem Namen ‚‘‘Graf Schwerin-Putzar‘‘‘ bekannt,[2] geboren zu Boldekow 30. December 1804, besuchte das Gymnasium zu Friedland in Meklenburg bis 1824, studirte die Rechte zu Heidelberg und Berlin, arbeitete als Referendar bei dem Oberlandesgericht und der Regierung zu Stettin und wurde 1833 von den Ständen zum Landrath des Anclamer Kreises erwählt. Seit 1840 war er Mitglied des Pommerschen Provinzial-Landtages, seit 1842 Director des Vorpommerschen Landschafts-Departements; 1846 ward er vom Könige, in Folge seiner eifrigen Betheiligung am Gustav-Adolf-Verein, als Mitglied zu der evangelischen General-Synodo zu Berlin berufen. Am 14. April 1847 trat er als Vertreter der Ritterschaft des Anclamer Kreises in den Vereinigten Landtag, auf welchem er seine später stets behauptete Stellung als eines der hervorragendsten Mitglieder der liberalen Partei begründete.[3] Vom 19. März bis 13. Juni 1848 war er Staats- und Cultus-Minister, und vertrat darauf den Wahlkreis Schlawe in der Deutschen National-Versammlung zu Frankfurt a./M., aus welcher er jedoch — in Folge des Beschlusses derselben, das Verfassungswerk selbstständig und nicht im Wege der Vereinbarung zu Ende zu führen — am 3. Mai 1849 ausschied. Seit dem Sommer 1849 gehörte er dann ununterbrochen dem Preussischen Abgeordneten-Hause an, und zwar stets als Vertreter des Anclam-Demminer Wahlkreises. Von 1849 bis 1855 und dann wieder 1859 war er Präsident dieser Versammlung. Ueber seine politische Stellung zu dem Verfassungswerk und namentlich über sein Verhalten zur ministeriellen Politik während jener Zeit spricht er selbst sich eingehend aus in einer 1858 zu Berlin erschienenen Schrift: „An seine Wähler". Am 3. Juli 1859 erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Staatsminister und Minister des Innern, und trat er somit als Nachfolger Flottwells in das Ministerium der „neuen Aera" ein, in welchem er bis zum 17. März 1862 verblieb. Nach seinem Rücktritt vom Amt gehörte er im Abgeordnetenhause und später im Reichstage des Norddeutschen Bundes zuerst der altliberalen und darauf der nationalliberalen Fraction an, ohne doch je die ihm persönlich eigenthümliche Auffassung[4] zu verleugnen; wie er denn auch — gelegentlich der Wahlen 1869 — ausdrücklich den Wunsch aussprach, seine Wahl nicht dem Beitritt zu einem bestimmten Programm, sondern dem persönlichen Vertrauen der Mehrheit seiner Wähler danken zu können. Wem nicht meine bisherige, nun bereits 20jährige parlamentarische Laufbahn Bürgschaft für den Sinn und die Richtung meiner Wirksamkeit auch auf dem bevorstehenden Reichstage gewahrt, der wird dieselbe auch in einem formulirten Programm nicht finden können. In liberalen politischen Anschauungen aufgewachsen, bekannte er sich stets zu gemässigten Ansichten; diese aber vertrat er, wo es galt, mit vollster Entschiedenheit. Der auf das Ideale gerichtete Zug seines Herzens, bewahrte ihn auch in der Politik vor vielen Klippen. Ein Mann von treffendem Urtheil und ein klarer Kopf, war er doch weit mehr ausgezeichnet durch die Eigenschaften des Gemüths als die des Verstandes, und das war es, was ihn trotz seiner aristokratischen Herkunft zum echten Manne des deutschen Volkes machte. Grosse Achtung vor dem Rechte Anderer, vollste Uneigennützigkeit und grosse Bescheidenheit bei voller Selbstständigkeit zeichneten ihn aus. Vorzüglich galt ihm der Grundsatz: ‚Recht geht vor Macht, wie er demselben in einer Sitzung des Abgeordnetenhauses am 27. Januar 1863 Ausdruck gab, in Erwiederung, einer Rede des Ministerpräsidenten von Bismarck, welche nach seiner Meinung in dem Satze: „Macht geht vor Recht" culminirt habe.[5]

Die Stadt Berlin legte von der Verehrung, welche hier dem Grafen in allen Kreisen entgegengebracht wurde, Zeugniss ab, indem sie ihn zum Stadtrath wählte, welches Amt er erst kurz vor seinem Tode niederlegte. Seitens der Stadt Anclam war er aus Anlass der Feier seiner silbernen Hochzeit am 6. August 1859 zum Ehrenbürger ernannt worden. Die Universität Greifswald hatte ihm im October 1856 das Diplom eines Doctor juris hon. causa verliehen.

Die Anerkennung der Könige Friedrich Wilhelm IV und Wilhelm bekundete sich in der Verleihung des Rothen Adler-Ordens, dessen 1. Klasse er 1863 erhielt.

Als väterliches Erbe besass Graf Max die Putzarschen Güter: Putzar mit Charlottenhorst, Glien, Boldekow, Bornmühl, Zinzow mit Rubenow, Borntin und Cavelpass. Dazu kaufte er 1846 die Pollnower Güter in Hinterpommern: Pollnow mit Selberg, Vettrin und Jatzingen, vertauschte diese Besitzung 1849 und 1850 gegen das Rittergut Rogätz im Kreise Wollmirstädt (Provinz Sachsen); nahm aber 1851 auch die beiden Güter Vettrin und Jatzingen wieder zurück. Rogätz verkaufte er wieder im Jahr 1871. Das 1856 von ihm gekaufte Gut Schmuggerow gab er seiner Tochter zur Mitgift. Seinen Antheil an der Spantekower Besitzung verkaufte er durch Vertrag vom 27. August 1856 an seinen Bruder Victor.

Graf Max starb zu Potsdam 3. Mai 1872 und ward auf dem Kirchhofe zu Putzar beerdigt.

Vermält hatte er sich zu Berlin 6. August 1834 mit Hildegard Marie Schleiermacher, jüngsten Tochter des bekannten Theologen und Philosophen, Dr. theol. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Prediger an der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin, ordentlicher Professor an der Universität, Secretair der philosophischen Klasse der Königl. Academie der Wissenschaften, und der Henriette geb. von Mühlenfels, verwittwet gewesenen von Willich. Dieselbe ist am 12. Juli 1817 zu Berlin geboren und lebt dort auch jetzt als Wittwe.[6]

Quelle: Dr. L. Gollmert, Wilhelm Grafen von Schwerin und Leonhard Grafen von Schwerin: Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Wilhelm Gronau's Buchdruckerei, Berlin 1878

Eltern

  • Heinrich Graf von Schwerin (* 19.12.1776 in Schwerinsburg, † 8.8.1839 in Putzar), Landschaftsdirector
  • Charlotte Friedrike Luise von Berg (* 9.8.1783 in Quedlinburg, † 7.6.1826 in Schwerinsburg)


Geschwister

  1. Elisabeth Luise Ulrike Charlotte Gräfin von Schwerin (* 25.1.1804 in Boldekow, † )
  2. Emma Caroline Friedrike Henriette Gräfin von Schwerin (* 10.2.1807 in Neu-Brandenburg, † 26.4.1846 in Berlin)
  3. Rosalie Wilhelmine Sophie Ernestine Ottilie Gräfin von Schwerin (* 30.4.1811 in Boldekow, † 21.6.1867 in Berlin)
  4. Wilhelmine Friedrike Alexandrine Franziska Gräfin von Schwerin (* 15.5.1813, † 11.7.1852 in Berlin)
  5. Victor Friedrich Wilhelm Hermann Luther Graf von Schwerin (* 22.12.1814 in Schwerinsburg, † 18.11.1903 )
  6. Charlotte Elisabeth Luise Beate Gräfin von Schwerin (* 5.6.1826 in Schwerinsburg, † )

Kinder

  1. Heinrich Friedrich Maximilian Kurt Graf von Schwerin (* 1836 in Schwerinsburg, † 1888 auf Putzar)
  2. Luise Hildegard Marie Gräfin von Schwerin (* 1.5.1837 in Schwerinsburg, † )
  3. Charlotte Hildegard Marie Gräfin von Schwerin (* 28.1.1839 in Putzar, † 4.10.1839 in Putzar)
  4. Friedrich Wilhelm Gotthold Graf von Schwerin (* 6.9.1840 in Putzar, †Gefallen.png 20.8.1870 )

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dr. Alfred Dove sagt in einem, dem Andenken des Grafen gewidmeten Aufsatz: „Recht vor Macht!" in der Wochenschrift: Im neuen Reich" 1872, No. 20: ‚‘‘Der Name Schwerin glänzt unter den vordersten der adligen Namen der brandenburgisch-preussischen Monarchie: ein namhafter Staatsmann im 17., ein Feldherr im 18. Jahrhundert erscheinen unter seinen Trägern. Das 19. kam mit seinen eigenen Gedanken, da hat das Haus auch seinen Volksmann gestellt. Denn als solcher wird Graf Max Schwerin in unserem Andenken fortleben, nicht eigentlich als Staatsmann; seine beiden Ministerien von 1848 und 1859 erhalten ihre Bedeutung, ja selbst ihre Erklärung nur durch seine parlamentarische Stellung. Er gehört zu den Uranpflanzern verfassungsmässiger Freiheit in unserem Staate, die gleichsam mit Axt und Spaten voraufgezogen sind, um rodend lichten Raum zu schaffen für den Anbau eines modernen menschlichen Rechtes.
  2. Eine Biographie des Grafen Schwerin-Putzar befindet sich in: „Unsere. Zeit", Jahrbuch zum Convcrsations-Lexikon von Brockhaus. Leipzig 1859. Bd. 3. S. 584 ff. — Kleinere ihn betreffende Aufsätze: „Daheim", Jahrg. 1868. S. 305. — „Gartenlaube", Jahrg. 1862. No. 9. S. 137.
  3. National-Zeitung vom 4. Mai 1872.
  4. An seine Wähler. Berlin 1858. S. 4.
  5. Eine dem Grafen vom Abgeordnetenhause gewidmete silberne Ehrensäule trägt die Inschrift:
    Für Preussens Ehre hat Dein grosser Ahn
    Im Tode noch die Fahne hoch gehalten.
    Sein war des Kriegs, Dein ist des Friedens Bahn,
    Doch gleichem Ziele gilt Dein Streben und Dein Walten.
  6. Preussische Jahrbücher, Berlin 1874. Bd. 34. Heft 6, enthalten eine Reihe von Briefen von Ernst Moritz Arndt (der mit einer Schwester Schleiermachers verheirathet war) an den Grafen Max und seine Gemalin aus den Jahren 1843 —1858.
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