Medicus:Ludwig Medicus (1927)

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FamilienWIKI - Familie Medicus
Ludwig Medicus *1927, Brandinspektor, Foto: Cornelia Schlagau für Echo Groß-Gerau 2009
Franz Philipp Medicus *1886 -Vater von Ludwig Medicus
Johann Philipp Medicus *1860 - Großvater von Ludwig Medicus


Philipp Ludwig Maria Medicus

* 14.8.1927 Gernsheim

andere Namen: Ludwig Medicus

Vater: Franz Philipp Dionys Medicus * 28.9.1886 Gernsheim † 14.2.1944 in Bensheim, ging 1920 zur Feuerwehr in Gernsheim

Mutter: Anna Medicus , geb. Fischer * 15.3.1901 Klein-Rohrheim † 31.1.1989 Gernsheim

Grossvater: Johann Philipp Barbara Medicus (* 23.6.1860) ging 1888 zur Feuerwehr in Gernsheim


Feuerwehr als liebstes Steckenpferd

"Auszeichnung – Der Gernsheimer Ludwig Medicus erhält das Bundesverdienstkreuz für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement.

Ludwig Medicus (82) strahlt. Mit Stolz trägt er die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik – kurz Bundesverdienstkreuz genannt – die ihm der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Will (SPD) gerade ans Revers geheftet hat. Medicus ist damit Träger der höchsten Anerkennung, die der deutsche Bundespräsident für ehrenamtliches Engagement verleiht.

Unglaubliche sechs Jahrzehnte ist der nach wie vor agil wirkende Ludwig Medicus in seiner Heimatstadt Gernsheim ehrenamtlich aktiv. Und dies nicht nur an einer Stelle, sondern gleich in mehreren Vereinen und Organisationen. Sein allerliebstes Steckenpferd, daraus machte Medicus noch nie einen Hehl, ist die Freiwillige Feuerwehr. Seit 1947 gehört er der Truppe an, in deren Vorstand er ab dem Jahr 1950 als Rechner und Schriftführer mitarbeitete. Den Vorsitz des Gernsheimer Feuerwehrvereins hatte er von 1958 bis 2000 inne, die Aufgaben des Ortsbrandmeisters, der später Stadtbrandinspektor hieß, erfüllte Ludwig Medicus über den langen Zeitraum von 34 Jahren (1958 bis 1992). Mit seiner Dienstbereitschaft setzte er eine Familientradition fort, denn der jetzt Geehrte war bereits der dritte Gernsheimer Kommandant, der den Namen Medicus trug: Sein Großvater Philipp legte 1888 den Grundstein für das familiäre Engagement bei der Feuerwehr, sein Vater folgte 1920, ehe Ludwig Medicus dann Ende der Fünfzigerjahre in seine Fußstapfen trat. Unter seiner Führung entstand der Neubau der Stützpunktfeuerwache.

Darüber hinaus rettete er zahlreiche Erinnerungsstücke für die Nachwelt. Beginnend bei Hand- und Saugspritzen aus vergangenen Jahrhunderten – darunter ein großes, ehemals von Pferden gezogenes Exemplar – sowie historische Fahrzeuge, beispielsweise einen Opel Blitz, Baujahr 1948, oder ein Magirus Löschfahrzeug aus dem Jahr 1939.

Um die Finanzen kümmert sich Ludwig Medicus auch im Männergesangverein Liederkranz, für den er seit 1954 ununterbrochen als Rechner tätig ist. Bis heute hat er die Vereinskasse unter seinen Fittichen, wirkte nicht nur bei der Organisation der Feiern zum hundertjährigen Bestehen mit, sondern hielt auch bei den Vorbereitungen zum 150. Geburtstag zahlreiche Fäden in der Hand. Nicht minder am Herzen liegt dem Fröhlichkeit ausstrahlenden Kaufmann, der über lange Jahre das traditionsreiche Gernsheimer Ladengeschäft „Spiel und Hobby Medicus“ führte, das närrische Fastnachtstreiben in seiner Heimatgemeinde. Er gehörte 1980 zu jenen Menschen, die den Verein „Gernsheimer Straßenfastnacht“ ins Leben riefen, wirkte bis 2006 als Beisitzer dem Vorstand mit und unterstützt die Gilde bis heute.

Angesichts der Fülle von Tätigkeiten wundert es nicht, dass Ludwig Medicus in der Vergangenheit bereits vielfach gewürdigt wurde: 1983 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen und der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Gernsheim, mit dem Brandschutzehrenzeichen in Gold (1985) und dem goldenen Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbandes im Jahr 2005."

In Gernsheim betreibt Ludwig Medicus einen Laden für Lebensmittel und Spielzeug.

Foto: Groß-Gerauer Volksbank 2009

Traditionelle Werte bewahren

Über Kopfsteinpflaster schlendert man durch die beschaulichen Sträßchen in Gernsheim, gegenüber der Kirche stößt man auf ein alteingesessenes Traditionsgeschäft. „Medicus" steht über dem Eingang, der von zwei großen Schaufenstern flankiert ist. Durch die Fensterscheibe fällt der Blick in die Welt von Ludwig Medicus, der in Gernsheirn einen einzigartigen Lebensmittel- und Spielzeugladen betreibt. Während überall moderne Supermärkte das Bild bestimmen, scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Die alten Holzregale und Vitrinen wirken nostalgisch, das Sortiment ist im Laufe der Jahre zurückgegangen. Es ist eine bunte, kleine Welt, über die der 83-Jährige zusammen mit seiner Schwester Amelie herrscht: Auf 60 Quadratmetern gibt es Zucker, Milch, Süßigkeiten, Gurken, Würstchen, Bier, Zahnbürsten, Shampoo, Kaffee und Toilettenpapier. Die Auswahl an Spielwaren ist stattlich. Kasse oder Scan sucht man hingegen vergeblich. Der alte Herr mit den wachen blauen Augen rechnet die Einkäufe fein säuberlich auf einem Notizblock zusammen.

Er kann sich noch an die Zeit erinnern, als es Mehl offen zu kaufen gab und die Nachbarn mit Tellern kamen und die Kundinnen ihre Rabattmarken für ein paar Nylonstrümpfe eintauschten. Der Ladenbesitzer erzählt gerne von früher. Sein Laden ist ein Ort der Ruhe und der Beschaulichkeit jenseits der großen Hektik anonymer Supermärkte. „Ich höre oft von den Kunden: Bitte renovieren sie nicht! Und viele kommen immer wieder, weil sie schon als Kind hier Wundertüten, Brause und Gummibärchen für 10 Pfennig eingekauft haben", erzählt Ludwig Medicus. Keinen Gedanken ans Auf hören verschwendet der ältere Herr momentan. Er ist glücklich mit seinem Leben zwischen den Lebensmitteln, den Spielwaren, dem Schreibtisch und seinen Kunden. 1800 hat Philipp Medicus den Laden eroffnet fünf Generationen später folgte Ludwig Medicus. „Träume habe ich immer gehabt", sagt der 83-Jährige mit dem schlohweißen Haar. Sprengstofftechniker wollte er werden. Aber das Leben hatte einen anderen Plan. Der Vater fiel im Krieg und als der gerade einmal 18jährige Ludwig im September 1945 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, unterstützte er selbstverständlich seine Mutter und nahm so seinen Platz im elterlichen Geschäft ein. Das war alles andere als einfach, weiß der Kaufmann zu berichten: „Durch die Bombardierung der Alliierten war wirklich alles, was wir hatten, abgebrannt. Mühsam haben wir dann unseren Laden im Laufe der Jahre wieder aufgebaut bis zur offizellen Wiedereröffnung im Dezember 1952. Zwischenzeitlich haben wir das Geschäft behelfsmäßig in verschiedenen anderen Häusern in Gernsheirn weitergeführt."

65 Jahre später steht der drahtige Kaufmann zusammen mit seiner sieben Jahre jüngeren Schwester noch immer an sechs Tagen in der Woche hinter der Ladentheke. In Gernsheim ist der Laden einer der letzten seiner Art. Vor Jahrzehnten habe es hier viele Geschäfte gegeben, weiß der in Gernsheirn auch lebende Händler zu berichten und kramt in der Erinnerung:„Über 30 Läden, angefangen bei Metzgereien, Bäckereien über Gemüse- und Obstgeschäfte bis hin zu diversen Feinkostläden, gab es einmal."

Amelie Medicus unterstützt ihren Bruder im Geschäft und im Haushalt. So kocht die lebenslustige Dame jeden Mittag für sich und ihren Bruder und zum Wochenende backt sie Kuchen. „Der Kirschkuchen zählt zu meinen Leibspeisen", erzählt die kleine Schwester, die, seit sie denken kann, auch schon immer im Laden mit angepackt hat. Familientradition wird bei den Geschwister Medicus nicht nur im Geschäft großgeschrieben_Schon meine Mutter hat den Kirschkuchen nach dem Rezept ihrer Großmutter zubereitet", erzählt die 75-Jährige, „aber unter der Woche bleibt für solche Leckereien nicht immer so viel Zeit!"

Auch wenn die beiden Herrschaften seit vielen Jahrzehnten tagaus tagein hinter der Ladentheke stehen, strahlen sie noch immer viel Freundlichkeit und Menschlichkeit aus und jeder Kunde ist König. „Natürlich muss man auch an das Geschäft denken", so Ludwig Medicus "aber der Gewinngedanke steht bei uns nicht im Mittelpunkt." Da lässt man auch den einen oder anderen Kunden anschreiben und steckt den Kindern einen Bonbon zu, man nimmt sich Zeit für ein Schwätzchen und hat immer ein offenes Ohr für die Kunden, und auch außerhalb der Ladenzeiten wird die Tür geoffnet, damit sich ein Schuljunge den Nachhauseweg versüßen kann. Schön, dass es so etwas noch gibt.

Weitere Fotos:Datei:LudwigMedicusLaden1927.pdf


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