Medicus:Georg Leopold Franz Medicus (*1820)

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Bürgermeister Franz Medicus (*1820) mit Amtskette
Amtskette Dessau
Ehemaliges Wappen von Dessau


Georg Leopold Franz Medicus

* 25.11.1820, † 27.5.1884, Jurist, Bürger- und Oberbürgermeister von Dessau, Ziegeleibesitzer

weiter Namen: Franz Georg Leopold Medicus oder Franz Medicus

Vater: Gottfried Heinrich Leopold Medicus (* 8.1.1779) Dessau

Ehefrau: ∞ 27.12.1846 in Berlin Marie Josephine Dückers, *8.5.1824 in Ronsé bei Lüttich, †13.7.1902 in Dessau

Kinder:

  1. Johann Franz Medicus (*24.9.1851) Dessau, Notar ∞ Johanne Adline Sophie Bachmann (*1862 †1890) Dessau
  2. Antonie Medicus (*1852 †1911) ∞ Gottfried Frenzel Hoflithograf in Dessau (2 Töchter:Frenzel)
  3. Elisabeth Marie Medicus (*1856 †1881) ∞ Wilhelm Schneider (*27.6.1881) (Ein Sohn:Schneider)
  4. Eduard Anton Georg Leopold Medicus (*1847 †1909)(*1856?) Kaufmann in Dessau ∞Adolfine Jonak (*1856 †1930)
  5. Leopold Medicus (*1851 †1862 an Scharlach) ist Zwilling von Franz Medicus (*24.9.1851)
  6. Agnes Antonie Medicus (*1850 †1905) ∞ Gottfried Friedrich Ludwig Meyer (*1844 †1900) Geh. Regierungsrat in Dessau
  7. Paul Medicus (*1854 †1866 an Blinddarmentzündung)
  8. Marie Elisabeth (Lisa) Medicus (*1848 †1903) ∞Karl Friedrich Albert Nietzsche (*1840 †1903)(5 Töchter: Nietzsche)
  9. Otto Medicus (*1857 †1859)
  10. Anna Medicus (*1859 †1861)
  11. Bertha Medicus (*15.2.1862 †1.6.1943) Erzieherin ihrer verwaisten Nichten
  12. Carl Friedrich Medicus (USA:Fredrich) (*22.7.1863 Dessau †21.10.1896 Hoboken, Hudson, New Jersey ) ∞ Alwine (Balwine) Osmer (*16.4.1865 Bremen †25.2.1903 Hoboken, USA)


Werdegang:

Franz Medicus besuchte die Schule in Dessau und studierte Rechtswissenschaften. Nach dem Ende seiner Studien arbeitete er als Sekretär an der mecklenburgischen Gesandtschaft in Berlin. Danach kam er als Kreisgerichtssekretär an die neu eingerichtete Kreisverwaltung nach Dessau. Nach Einführung der neuen Gemeinde-, Stadt und Dorfordnung von 1852 wurde er am 16.10.1852 zum Bürgermeister der Stadt Dessau gewählt und am 25.10.1852 in sein Amt eingeführt. 1858 auf Lebenszeit wieder gewählt, wurde ihm am 3.10.1863 der Titel des Oberbürgermeisters verliehen. Er beging am 25.10.1877 sein 25jähriges Amtsjubiläum. 1863-72 für die 2. Abteilung Mitglied des Landtages und dabei bis 1870 stellvertretender Landschaftsunterdirektor und 1871/72 Erster stellvertretender Landschaftsunterdirektor, bis zu seinem Tode auch Abgeordneter des Kreistages. In seine Amtszeit fallen der erste Schub der Industrialisierung und die Gründung u. a. der Kreissparkasse. Auch kam es zum Bau der Wasserleitung, zur Einführung der Gasbeleuchtung. Eine wesentliche Rolle spielte er bei den Auseinandersetzungsverhandlungen mit dem herzoglichen Hause im Jahre 1872, als er großen Grundbesitz für die Stadt erwerben konnte. Auch die Stadterweiterungen im Westen und Nordwesten sind mit seinem Namen verbunden. 1876 kam es zur Anlegung des neuen Friedhofes (II) an der Friedhofstraße, auf dem er auch selbst beigesetzt wurde.

Die Amtskette, die auch in heutiger Zeit noch Verwendung findet, wurde mittels Spangen an der Schulter befestigt. Der Orden Albrechts des Bären gehörte ursprünglich nicht dazu. An der Kette ist zudem ein Medaillon befestigt. Es zeigt ein Bildnis (Brustbild) des Fürsten Joachim Ernst, der von 1570 bis zu seinem Tod 1586 die anhaltischen Lande allein regierte. Im Verschluss der Kette sind die Initialen "LF" (Leopold Friedrich) und das Datum "24. April 1854" eingraviert. An jenem Tag zog Erbprinz Friedrich mit seiner ihm frisch angetrauten Gemahlin Antoinette von Sachsen-Altenburg festlich in die Stadt Dessau ein. Zusammen mit der Amtskette ist auch der Siegelring des Oberbürgermeisters überliefert, in den das Dessauer Stadtwappen in seiner Form von 1848/49 eingraviert ist.

Der erste Träger der damaligen "Ehrenkette für pflichtgetreue Bürgermeister", Bürgermeister Franz Medicus, war aus heutiger Sicht auf allerdings fragwürdige Weise in sein Amt bestellt worden.

Er wurde am 16. Oktober 1852 in einem zweifelhaften Wahlverfahren zum Dessauer Bürgermeister ernannt und löste den in der Revolutionszeit 1848 gewählten Bürgermeister K. W. Fritsche ab. Fritsche sollte durch einen herzogstreuen Beamten ersetzt werden. Favorit des Herzogs und dessen Regierung war der damalige Kreisgerichtssekretär Medicus.

Er wurde jedoch von der Mehrzahl der Stadtverordneten abgelehnt. Medicus musste vier Wahlgänge absolvieren, aber auch im letzten erhielt er nur 11 von 22 Stimmen - die übrigen Stadtverordneten hatten aus Protest leere Stimmzettel abgegeben. Daraufhin wurden sie einfach für abwesend und Medicus für einstimmig gewählt erklärt.

Bürgermeister Franz Medicus rechtfertigte das von Herzog und Regierung in ihn gesetzte Vertrauen und bewies die gewünschte Loyalität.

Zum Dank dafür wurde ihm bereits zwei Jahre nach Amtsantritt die genannte Ehrenkette verliehen.

1858 wurde Medicus auf Lebenszeit zum Bürgermeister bestellt, 1864 ernannte ihn der Herzog zum Oberbürgermeister.


Quellen:


Aus einer weiteren Quelle: Elsa Medicus 1995, pdf-Dokument von Günther Medicus 2004, 2011

Franz Georg Leopold Medicus (*1820) besuchte das Friedrichsgymnasium in Dessau, nach Abschluß studierte er Jura in Berlin. Eine Zeit arbeitete er als Sekretär bei der Mecklenburgischen Gesandtschaft in Berlin. Der Beruf des Sekretärs, entsprach dem Beamtenstand und erforderte ein Jurastudium. In Berlin hat er wahrscheinlich seine Frau kennengelernt, sie war katholischen Glaubens. Das Aufgebot wurde in der kath. Hedwigskirche bestellt, jedoch zur Trauung kam es dort nicht. Es ist zu vermuten, daß das junge Paar in einer evangelischen Kirche getraut wurde, denn Franz Medicus war evangelisch und alle seine späteren Kinder wurden evangelisch getauft und erzogen.

Aus einer im Jahr 1882 erfolgten Erbauseinandersetzung geht hervor, daß Marie Dückers 5 Geschwister hatte, die Brüder Jean und Pierre waren Kaufleute in Cavaillon bei Avignon, die Schwestern Titine und Agnes waren mit Kaufherren in Köln verheiratet, eine Schwester, verehelichte Delchambre, war verstorben. Bei der Verteilung der Erbmasse von Peter Egidius Dückers erhielten die Erben einen erheblichen Betrag.

Als Anfang 1846 Marie Medicus, geb. Schaller verstorben war, wurde es Zeit, daß der Sohn Franz das Haus übernahm. Er wurde Kreisgerichtssekretär in Dessau und das junge Paar zog ins elterliche Haus.

Im Zuge der Neuordnung der Stadtverwaltungen wurde am 25.10.1852 von den vorher gewählten 24 Stadtverordneten unter wohlwollendem Druck der herzoglichen Regierung der Kreisgerichtssekretär Franz Medicus zum Bürgermeister gewählt. Die neue Gemeindeordnung bestimmte, daß die Bürgerschaft aus Gemeindeangehörigen , die das Bürgerrecht erworben hatten, gebildet wird. Nur Männer konnten Bürger werden. Voraussetzung war, daß sie ein "reines Einkommen" von mindestens 200 Thalern im Jahr hatten.

  • 1854 wurde dem Bürgermeister Franz Medicus als Erstem vom Herzog Leopold Friedrich von Anhalt Dessau-Köthen die "Goldene Ehrenkette für pflichtgetreue Bürgermeister des Landes Anhalt" verliehen. Die Kette war vom Fürsten gestiftet und die Verleihung eigentlich an den Titel "Oberbürgermeister" durch den jeweils regierenden Herzog gebunden worden.
  • 1858 wurde Franz Medicus auf Lebzeiten im Bürgermeisteramt bestätigt und 1863 zum Oberbürgermeister ernannt. Bis zu seinem Tode am 27.5.1884 blieb er im Amt.

Da das Wohnhaus in der Schloßstraße schon 1547/49 erbaut war, wollte Franz Medicus 1852 an die Stelle des alten Hauses einen Neubau setzen. Er bekam die Erlaubnis zur Anlegung einer Ziegelei in den Kreuzbergen zur Beschaffung der notwendigen Mauersteine. Im folgenden Jahr verkaufte er das Haus auf Abbruch. Schon 1852 hatte sich Franz Medicus um einen Baukostenzuschuß von 1000 Talern an die Regierung gewandt, weil er das Haus nicht in der alten bescheidenen Form aufbauen, sondern den Neubau mit einer zierlichen, der sogenannten "Berliner Fassade" nachgebildeten Form ausführen wolle. Das Haus ohne diese Fassade verursache ihm gerade noch tragbare Kosten von 8400 Talern. Da durch den Neubau eine weitere Verschönerung der Schloßstraße zu erwarten war, wurden ihm 1500 Taler bewilligt Im Zuge des Neubaus hatte sich Medicus verpflichtet, in der Mitteletage einen Saal einzurichten, den er an den Anhaltischen Landtag für die Dauer von 30 Jahren für jährlich 160 Taler vermietete. Bis April 1875 tagte der Landtag dort, danach konnte der neue Sitzungssaal im Behördenhaus genutzt werden.

  • 1870 erwarb Franz Medicus die sogenannte "Neue herzogliche Amtsziegelei" im Nordosten der Stadt zum Preis von 18500 Talern von der Regierung. Sie wurde verpachtet und blieb bis 1903 im Besitz der Familie. Dann mußte sie wegen zunehmender Bebauung im Norden der Stadt stillgelegt werden. Mit einem Erlös von 40000 Mark wurde sie an die Stadt verkauft.

Während der Amtszeit des Oberbürgermeisters wurden wichtige Neuerungen in Dessau eingeführt:

  • ein Leihamt wurde eingerichtet
  • 1865 wurde die städtische Kreissparkasse in Dessau mit Sitz im Stadthaus als Nachfolgerin der Landessparkasse von 1833-1865, die der Herzog Leopold Friedrich gegründet hatte. Damals wurde noch mit Talern und Groschen gerechnet. Erst 1873 wurde die „Markwährung" im Reich eingeführt. Auch während der Kriegsjahre 1866 und 1870 gedieh die Sparkasse unter der Oberleitung des Oberbürgermeisters stetig. Manch gemeinnütziger städtischer Zweck konnte aus den Hilfsmitteln, die aus der Sparkasse flossen, erreicht werden.1872 konnte der Vertrag der Auseinandersetzung der Stadt mit dem Staat als wichtiger Punkt erreicht werden, nachdem 1865 bereits der sog. "Rezeß" stattgefunden hatte, in dem eindeutige Berichtigungen der Ländereien des Herzogs mit denen des Staates und Abgrenzungen vorgenommen waren.
  • Nach Gründung der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft 1855 in Dessau wurde die mit Gas betriebene Straßenbeleuchtung eingeführt.
  • 1873/74 wurde das erste Wasserwerk in Dessau errichtet. Allerdings wurde die Technik den Anforderungen nicht gerecht, das Wasser war so eisenhaltig und stank, daß es nur zur Spülung der Gossen genutzt werden konnte. Die Kanalisation wurde erst später eingeführt.
  • 1882/83 wurde das Rathaus aufgestockt

Während der Amtszeit von Franz Medicus fand 1866 der Krieg gegen Österreich statt, an dem die Anhaltiner auch teilnahmen, jedoch nicht an Gefechtshandlungen. Im Frankreichkrieg, der am 16.7.1870 ausbrach, zog auch die Dessauer Garnison aus. Es wurden 4 Lazarette eingerichtet, wo die deutschen und französischen Verwundeten gepflegt wurden. Nach dem Sieg bei Sedan am 3 .9.1870 fand ein Fackelumzug statt. Nach 11 Monaten kehrten die Truppen nach Dessau zurück und wurden feierlich vom Oberbürgermeister begrüßt. Ein besonderer Tag ist noch zu erwähnen. Anläßlich einer Hofjagd in Biendorf traf am 12.12.1871 Kaiser Wilhelm I. mit dem Kronprinzen und anderen Prinzen und Gefolge mit einem Sonderzug auf dem Dessauer Bahnhof ein. 1841 war die Berliner-Anhaltische Eisenbahn eröffnet worden. Nach beendeter Jagd fand im Schloß Dessau ein großes Mahl mit großem Empfang in der Stadt mit Illumination und Fackelträgern statt. Der Kaiser beauftragte Oberbürgermeister Medicus, der Stadt seinen Dank abzustatten. Am 25.10.1877 feierte Franz Medicus sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Am Abend vorher brachte die Feuerwehr einen Fackelumzug, der Tag selbst wurde mit einem Festessen im Eisenbahnhotel gefeiert.

Am 27. Mai 1884 starb Franz Medicus, erst 63 Jahre alt. Aus dem Nachruf im Staatsanzeiger:

„Er besaß einen seltenen Scharfblick in der Beurteilung herantretender Bedürfnisse und wies manches zurück, wenn er es nicht für dringend. erkannte. Ein Verwaltungsbeamter von Umsicht und Rücksicht auf die Steuerkraft der Bürger. Ein edler Mann, ein hilfsbereiter Freund der Armen und ein mild und freundlich denkender Mensch. Er verband "Bonhomie" und gerade Offenherzigkeit, ein überall geehrter Mann."

Zur Familie von Franz Medicus:

Aus der Ehe entstammen 12 Kinder, davon 5 Söhne. Mehrere Kinder verstarben schon im Kindesalter, der 1851 als Zwilling mit Franz geborene Leopold starb mit 11 Jahren an Scharlach. Sohn Paul verstarb im 12. Lebensjahr an Blinddarm und -Darmverschlingung. Die kleine Anna überstand in ihrem 2.Lebensjahr den Brechdurchfall nicht. Sohn Otto, das neunte Kind, wurde Abenteurer in China, von ihm wurde nie wieder etwas gehört. Der jüngste Sohn Carl Friedrich wanderte nach Amerika aus, heiratete dort Alwine Osmer. Doch schon 1896 starb der erst Dreißigjährige und hinterließ Frau und zwei kleine Töchter, Alwine 3 Jahre und Else 2 Jahre alt. Der folgende Eintrag scheint sich auf Alwine zu beziehen, da hier das Geburtsdatum 15.12.1892 übereinstimmt.

(Anmerkung des Autors: Wenn der Eintrag "New Jersey Births and Christenings, 1660-1980 for Friedrich Medicus" stimmt, hatte Carl Friedrich auch einen Sohn Franz * 9.1.1888 † 1990. der schon als Kind verstarb. Ausserdem gab es zwei weitere Kinder, die in frühem Alter in Hoboken,New Joursey, starben und Medicus hiessen: Quelle Familysearch.org. Da es unwahrscheinlich und dem Autor auch unbekannt ist, dass im betrachteten Zeitraum mehrere Medicus nach Hoboken ausgewandert waren, kann man annehmen, dass diesem Carl Friedrich Medicus drei Kinder gestorben waren. Lediglich die Kinder Alwine und Else überlebten und kehrten 1903 nach Deutschland, Dessau, zurück. Das ist aber, wie so oft, Spekulation.)

Als 1903 auch die Mutter der Kinder starb, holte die jüngste Schwester Bertha die zwei Kinder von Carl Friedrich, Alwine und Else, nach Deutschland zurück und betreute sie vorbildlich. Sie hatte vorher mit ihrer Mutter bis zu deren Tod im elterlichen Haushalt gelebt, sie blieb dort mit ihren Nichten wohnen, auch als das Haus 1923 an die Theaterstiftung verkauft wurde.

Nach ihrem Tod 1943 blieb Nichte Else unverheiratet in der Wohnung, bis das Haus im März 1945 dem Bombenterror zum Opfer fiel.

Quellen:

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